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    Das blutende Wort vom Abend

    25/4/2007 · Kategori: Eigene Gedichte

     

    komm doch nun mein Eichenregen
    meine lila Wolke
    mein harmloser Spatzenblick
    dies ist eine blutende Schalmei
    gemolken von der Brust der Zeit
    dies ist ein Garten von Düsterkeit
    so wisse: der Wipfel
    der jedem sein Herz gibt
    blüht nur eine Zeitlang
    und das Herz
    ist doch kein Herz
    ein Märchenbündel ist es
    ein Eimer von öden Brunnen
    mit einem Riss

    komm näher mein Kranich
    Lieder vom Lächeln sollen deine Augen tragen
    finde mich bei dir
    komm zu dir
    gehe zu mir
    dies ist die Geschichte von der Ameise
    und deren verlorene Liebe

    die Hände das Lebens so dunkel wie die Nacht
    der Geruch von Hammel und Wolken
    fließt so verschnörkelt
    auf unfruchtbarem Boden
    und berührt den Duft vom Morgen
    den Schweiß vom Abend
    berührt dabei jeden Stein
    jeden Pfiff
    krümmt sie beim Gehen

    unser Kommen
    mit mächtigem Kummer und Schmerz
    von Ausplünderungen gezeichnet unser Atlas 
    ungeahnt liebten wir trotzdem das Leben
    seine Baracken aus Blech
    seine Stähle aus Luftziegeln
    und in Häusern
    in denen Regenwasser tropfte
    liebten wir uns unbeschwert

    und wussten

    nur die Liebe kann aus Fels eine Rose meißeln

    von Anfang an so unlösbar für uns
    so unbegreiflich, so dunkel die Nacht
    und das Wasser vom Leben voll mit Sehnsucht
    so kamen wir
    und Lieder von Melancholie hinterlassend
    starben wir

     

    eines Tages aber werden unsere Träume
    sich erheben wie wirbelnder Steppensand
    und sich zerstreuen unsere Sünden
    und unsere Schuldgefühle von uns gehen
    eines Tages wird vielleicht ein Kind kommen
    und sich auf den letzten Stein
    unserer zusammen gefallenen Häusern setzen
    und das Liebeslied von dem Mann singen
    den sie zum Banditen gemacht hat

     

    komm näher
    die Zeit ist sonst ein Nichts
    was auch immer  der Sinn
    und die Bedeutung des Lebens ist
    doch meine Liebe für dich
    sollte ihr schönstes Andenken sein 

    Zugrunde gehen werden eines Tages
    alle Sultane
    die gesamte Obrigkeit
    das unnötige Gejammer
    der Jähzorn
    und das Schlagen
    deines Kopfes auf die Steine

    aber im Moment gibt es nur uns
    und ich bin dein
    und dein Fehlen ist nur
    wie eine Nacht in meinem Leben

     

    auch Berge weinen …
    wenn Balladen widerhallen
    von dem der sein Trauerlied nicht bezähmen kann
    und zu Stein wird werden
    sein Geschrei an der Spitze des Berges
    auch Berge weinen …
    wenn Wolken küssen dein Haar und
    jeder Sonnenuntergang das Herz
    blutrot erstrahlen lässt

     

    und wenn jene Liebe so meisterhaft malt
    wird sie sogar Steine lächeln lassen
    und deine trauervollen Blicke
    werden in Liebe verwandelt
    und Rosen um dein Herz ranken
    und wenn irgendwann
    irgendwo eine Frau
    einen Teppich knüpft
    so wirst du auf der Suche nach mir sein

     

    so komme nun
    denn ohne dich
    weinen auch meine Berge

    das wievielte Leben hinter gefallene Stadtmauern
    wehte davon wie Wind
    die wievielte Liebe hinter den
    Bergen von Wolken verfangen
    regneten auf die Wüste
    und das Herz reichlich ausgeteilt
    wie von Ferhad
    Worte wurden zu Knüppeln
    verjagt von all dem Glauben dieser Erde

    und öffentlich versteinert
    auf allen Strassen dieser Welt
    damit die ganze Menschheit
    daraus eine Lehre zöge

    Ausgeplündert
    ausgeplündert, so kam ich zu dir
    meine einzige Nahrung das Leben
    mein ganzes Kapital das Herz

     

    ohne dich zerfließen die  Augen in Dunkelheit
    zu Sternen werden sie nun
    die Gefühle so destilliert nun wie Gift
    von Niederlagen komm ich her
    von Niederlagen
    bin so müde ohne deine Hände
    und die Zeit
    und der Wind
    komm doch nun endlich
    das Leben beginnt mit dir

    Adnan Durmaz

    Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan

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