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    Das Lied vom Feuer

    29/11/2006 · Kategori: Eigene Gedichte

     

     

    Keine Verse können ausdrücken
    das Leid von den Müttern
    deren Söhne umgebracht wurden
    und bei Tagesanbruch
    unter den Stiefeln  des Henkers
    die Rosen zertreten
    so kann der Mond nicht säubern
    die Finsternis von Grausamkeiten
    in den Nächten

    Welches Wort kann auch
    den Herzschmerz jenes Soldaten
    der kein Arm mehr hat ausdrücken
    sich nicht anlehnen die Abende
    wie ein Traum
    von den verbrannten Gesichtern der Kinder

    Die Todesmaschinerie rund um die Uhr tätig
    die Geschäfte der Waffenschiebern
    haben Hochkonjunktur
    O wehe, Menschenrechte
    o wehe, Kreaturen
    o wehe Bosnien!
    Für alle Zeiten wurdest du erwürgt
    wie ein Berg im Zentrum der Erde 

    Der Ausdruck von Tod in deinem Gesicht 
    nur noch sinnlos das Leben
    und dem Zugrunderichten von Menschen
    sahen sie schamlos zu
    die Plädoyers vom Frieden
    dieser kultivierten Vampire
    doch sahen sie nichts
    sahen nichts!

    Häuser wurden verbrannt
    die dem Abend mit Freude entgegentraten
    Was war die Schuld von Häusern
    von Frühstücksecken,
    von Bildern, die an der Wand hingen?
    Welche Schuld hatten die Puppen?
    Verbrannt wurden sie
    die Mädchen in ihren eigenen Träumen
    und die Mütter ließen sie brennen
    im Feuer vor Sehnsucht nach ihren Kinder
    Hatten sie nicht auch Mütter
    und keine Puppen?
    Und hatten sie noch keine Hand
    aufs Herz gelegt,
    um zu spüren
    was sie Glück nannten?
    Hatten sie das nicht? 

    Trauerode stieg von allen Straßen
    der Erde empor
    Millionen ausgebeutet
    bis auf ihre Seelen
    Wasser und Brot gossen sie aus ihren Augen
    weinten damit Bosnien lebe!
    Damit lebe Bosnien!

    Von Satelliten aus konnten sie beobachten
    die Weinfelder, die Ölfelder dieser Erde
    doch den Gestank der Toten
    der bis zum Himmel reichte
    und ihr Geschrei
    das die Erde erschütterte
    das hörten sie nicht!
    Sie hörten nichts!

    Verliebte schlenderten Abends
    auf der Mostarbrücke
    der Himmel
    ein dunkelblaues Lied
    der Mond zerschleißte
    wie aus einem Märchenbuch
    umhüllt mit Tüll
    und die Liebe blau
    die Sterne mal rosa, mal gelb
    so lebendig der Fluss mit Rosen bedeckt

    Der wievielte Sturz von Rom ist es
    auf der Brücke von Mostar
    die wievielte Okkupation Jerusalems
    die Hölle  Srebrenica´s
    und du Sloban Milosevic
    du Menschenschlachter!
    Du Bastard,
    der wievielte Hitler bist du?

    Und gekreuzigt wurde
    Spartakus dort aufs Neue
    Alle  Tränen missbraucht 
    Nesimi die Haut abgezogen
    Mein Bedreddin
    erhängt an einem Baum
    Zum wievielten Male
    wurden die leeren Wörter
    von Friedensvermittlern
    in den Dreck gezerrt?

    Und die Guten aus den Märchen
    die Festungsmauern vom Sternhimmel
    die Feldblumen vom müden Leben
    sich erholten am Abhang
    und die Heiligengräber von damals
    ermordet wurden sie alle dort

    Von den zerrissenen Brüsten der Mütter
    tropft nun ihre Milch auf die Erde
    und von den ermordeten Kindern
    aus ihren leeren Augenhöhlen
    bluten ihre Mütter

    Nun Mutter
    kannst mir nicht mehr deine Hand geben
    denn ich habe keine Hand mehr
    Ich werde nie wieder aus Freude
    durch die Straßen rennen können
    denn abgerissen ist mein Bein
    und zerfallen sind die Straßen

    Eine Stimme hatte ich
    als die Schrapnellen mein Lächeln trafen
    mein Aufschrei zusammen
    mit allen Stimmen der Kinder
    prallte auf das Gesicht der Menschheit
    und wie meine eigene Murmel
    sah sie aus
    die Kugel
    die mich traf Mutter
    wie meine eigene Murmel.
    Und als nur noch verbranntes Fleisch
    und zersplittertes Gebein
    vom Himmel regnete
    war die Menschheit blind und taub
    Sie hörte nichts, sie schaute weg!

    Geblieben ist nur mein Geschrei
    Urteil wird gesprochen
    im Gewissen der Geschichte
    Doch sie sollten die Tränen aufsammeln
    die an jeder Ecke der Erde geweint werden
    und danach sollten sie sie trinken!

    Und du Dichter,
    der du in Versen geschrieben hast
    mit Goldstaub für den Zorn,
    für die Kritik und für das Leben an sich
    Alles wird nicht ausreichen am Ende
    eine Völkervernichtung in Massen
    Und dein Leid wird sich nicht zum Aufstand entwickeln
    dein Stift sich nicht in die Herz bohren
    Vielmehr schreib deine Zeilen mit Feuer!

    Immer mehr Vampire werden in den Straßen heulen
    und andere Bosnien werden bluten
    die Menschheit nur noch Grausamkeiten atmen
    Aber die Kinder werden euch Menschen fragen
    Sie werden euch fragen:
    Warum ist so wenig Freude auf Erden
    und warum gibt es massenhaft Henker?

    Nun kannst nicht mehr meine Hände halten
    Mutter,
    denn ich habe keine Hände mehr …

    Adnan Durmaz

    Aus dem Türkischen von Deniz Ercivan

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