Häuser aus Sand I, II, III, IV
28/11/2006 · Kategori: Eigene Gedichte
Häuser aus Sand
Mit der Zeit
wird all das Gelebte aus Feuer
zu Staub aufwirbeln
deshalb
lasse die Schönheit deines Lächelns
bei mir;
wie Kaskaden soll sie fließen
in meinem Herzen,
wenn du lachst
Lasse deinen Kuss bei mir;
wie ein Erdbeben
soll er
mein Herz zerrütten
und deine Hände
scheu wie Spatzen
du hast sie
in meinen gelassen
Der Augenblick wird bluten
Der Augenblick,
Wenn die Zeit
ihre Spinnennetze webt
auf wundervolle Blicke
Lasse die Schönheit
deiner Wörter
bei mir
an deinen zitternden Lippen
soll sich das Leben öffnen
dein Blick
dein Feuer
nicht erklärbar
deinen Regnen in Strömen
lasse auf das Durcheinander
Lasse das Brandmal bei mir,
das deine zarte Seele
auf meinen Händen ließ
lasse sie
an meinen Fingerspitzen
Und doch
wenn sich deine Augen
schlossen,
bei jedem Schlag deiner Wimpern
habe ich begriffen:
ein Leben
ohne Leidenschaft
wird weniger
als eine Handvoll
Wie ein totes Firmament
ist die Zeit
Alle Häuser aus Sand
Die ganze Liebeslust eine Lüge...
II
Nach einem Verlust begreift der Mensch
erst was er verloren hat
Das Lächeln aus jenen Momenten wird
bluten und nie wieder zurückkehren
Wo bleibt denn der Schauder von damals
Auf die bezaubernden Blicke
webt eine Spinne unentwegt
sein Netz
Jungrauen gab es…
ihre Winde
wie sanft wehendes Lüftchen
wie strömender Regen
war ihr Gang
abtastend an der Zeit
dem Tod durchreißend
gingen sie
dabei berührten ihre Brüste
die Liebe
nun sind die Proviantsäcke leer
wo wurden sie aufgebraucht
diese tollkühnen Erschütterungen
das Lächeln von damals
und die Vögeln die
der Nacht einen Sternenhimmel
regneten
wo sind sie jetzt?
Wie Rosen vom Hagel erschlagen
wirken sie nun
Große Grabmähler
die Bordsteine für Henker
Ohne Vergebung
aber dennoch rissen sie
Sie aus dem Herzen
Nach einem Verlust weiß man,
was man verloren hat
dein Leben
ist wie ein tollkühner Regen
Eine Lüge
sind alle Monarchien
Vergänglich alle Reichtümer
Schlösser
nur das Empfundene
im Herzen
wirst du vom Leben behalten.
Aus Sand sind alle Häuser
und die Liebeslust eine Lüge
III
vergänglich ist die Lust
doch halten sie das Herz hin
breiten sich an den Grenzen
eines hohlen Lebens aus
und wachsen
vom Unerreichbaren
und was nähren sie?
Im großen Unglücksgarten des Menschen
nimmt jede Liebe
am Gewebe des Lebens
anders teil
Kein Horizont von Abenden
wird je zurückkehren
Wahr ist;
ein menschliches Lied singend
sich mit dem Mondaufgang zu vereinen
die Lüste sind am Klappern
das letzte Kapitell
im Leben gibt es nicht
zu spät ist die Zeit
aber..
wenn das Herz
in Adern eines dankbaren Flusses strömt
wenn Sultane sterben
Monarchien fort sind
hohle Vergnügungen- prunkvolle Schlösser
und sogar das Nichts
zur Staube verflogen ist
dann merkt es;
Aus Sand sind alle Häuser
Die ganze Liebeslust eine Lüge
Die Lüste sind wie Satteln bespannt
am Rücken des Lebens
dich trennen von dir selbst und von anderen
die Einsamkeit erstickt dich
doch sind sie
absolut vergänglich
die verlogenen Erwartungen
Wessen Blut für die Gefängnisse
Wessen Seelen für Kriege
Ein Übergriff auf die Ehre
von Ausbeutungen
Auf Guerilla
Dem dienenden Knechte
und Ausplünderungen
doch bevor nicht
die Gefängnisse zusammenfallen
die Hoffnungen einsperren
können nicht die Ketten der Liebe
brechen
Steinmauer umringen
die Flanken deines Lächelns
wird die Erde nicht menschlicher
Alle Häuser werden aus Sand
alle Lüste eine Lüge...
IV
In der Erde der Samenkorn
Das Wasser in der Nervatur
der Rose
Traurigkeit im Herzen
und die Stunde des Seins nicht absehbar
und bislang hast du nichts
auf die Beine gestellt
doch auf die zauberhaften Blicke
webt eine Spinne ununterbrochen
sein Netz
Ducke dich nicht vor dem Tyrannen
Dem Henker spucke ins Gesicht
webe Licht in die Dunkelheit
Aber frei bist du erst dann
wenn deine Zellen
eigenhändig errichtet
zusammengefallen sind
Denn was kann einer
der die eigene Schalen
nicht brechen kann
einem Anderen geben?
Am Ende wird auch dein Leben enden
Wie ein Blatt vom Ast fallen
Dann wird dein Leben
Wie das Öffnen eines Briefumschlags
von einem Liebesbrief sein
So wirst du immer leben
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan

