2009-10-08_2008-06-01 06:44:36 Häuser aus Sand I, II, III, IV - fireofanatolia/gedichte/ - Blogcu



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    Häuser aus Sand I, II, III, IV

    28/11/2006 · Kategori: Eigene Gedichte

    Häuser aus Sand

     

    Mit der Zeit
    wird all das Gelebte aus Feuer
    zu Staub aufwirbeln
    deshalb
    lasse die Schönheit deines Lächelns
    bei mir;
    wie Kaskaden soll sie fließen
    in meinem Herzen,
    wenn du lachst

    Lasse deinen Kuss bei mir;
    wie ein Erdbeben
    soll er
    mein Herz zerrütten
    und deine Hände
    scheu wie Spatzen
    du hast sie
    in meinen gelassen

    Der Augenblick wird bluten
    Der Augenblick,
    Wenn die Zeit
    ihre Spinnennetze webt
    auf wundervolle Blicke

    Lasse die Schönheit
    deiner Wörter
    bei mir
    an deinen zitternden Lippen
    soll sich das Leben öffnen
    dein Blick
    dein Feuer
    nicht erklärbar
    deinen Regnen in Strömen
    lasse auf das Durcheinander

    Lasse das Brandmal bei mir,
    das deine zarte Seele
    auf meinen Händen ließ
    lasse sie
    an meinen Fingerspitzen

    Und doch
    wenn sich deine Augen
    schlossen,
    bei jedem Schlag deiner Wimpern
    habe ich begriffen:

    ein Leben
    ohne Leidenschaft
    wird weniger
    als eine Handvoll

    Wie ein totes Firmament
    ist die Zeit

    Alle Häuser aus Sand
    Die ganze Liebeslust eine Lüge...

     

     

    II

     

    Nach einem Verlust begreift  der Mensch

    erst was er verloren hat

    Das Lächeln aus jenen Momenten wird

    bluten und nie wieder zurückkehren

    Wo bleibt denn der Schauder von damals

    Auf die bezaubernden Blicke

    webt eine Spinne unentwegt

    sein Netz

     

    Jungrauen gab es…

    ihre Winde

    wie sanft wehendes Lüftchen

    wie strömender Regen

    war ihr Gang

    abtastend an der Zeit

    dem Tod durchreißend

    gingen sie

    dabei berührten ihre Brüste 

    die Liebe

     

    nun sind die Proviantsäcke leer

    wo wurden sie aufgebraucht

    diese tollkühnen Erschütterungen

    das Lächeln von damals

    und die Vögeln die

    der Nacht einen Sternenhimmel

    regneten

    wo sind sie jetzt?

    Wie Rosen  vom Hagel erschlagen

    wirken sie nun

     

    Große Grabmähler

    die Bordsteine für Henker

    Ohne Vergebung

    aber dennoch rissen sie

    Sie aus dem Herzen

    Nach einem Verlust weiß man,

    was man verloren hat

     

    dein Leben

    ist wie ein tollkühner Regen

    Eine Lüge

    sind alle Monarchien

    Vergänglich alle Reichtümer

    Schlösser

    nur das Empfundene

    im Herzen

    wirst du vom Leben behalten.

     

    Aus Sand sind alle Häuser

    und die Liebeslust eine Lüge

     

     

    III

     

    vergänglich ist die Lust

    doch halten sie das Herz hin

    breiten sich an den Grenzen

    eines hohlen Lebens aus

    und wachsen 

    vom Unerreichbaren

     

    und was nähren sie?

     

    Im großen Unglücksgarten des Menschen

    nimmt jede Liebe

    am Gewebe des Lebens

    anders teil

    Kein Horizont von Abenden

    wird je zurückkehren

    Wahr ist;

    ein menschliches Lied singend

    sich mit dem Mondaufgang zu vereinen

     

    die Lüste sind am Klappern

    das letzte Kapitell

    im Leben gibt es  nicht

    zu spät ist die Zeit

    aber..

    wenn das Herz

    in Adern eines dankbaren Flusses strömt

    wenn Sultane sterben

    Monarchien fort sind

    hohle Vergnügungen- prunkvolle Schlösser

    und sogar das Nichts

    zur Staube verflogen ist

    dann merkt es;

     

    Aus Sand sind alle Häuser

    Die ganze Liebeslust eine Lüge

     

     

    Die Lüste sind wie Satteln bespannt

    am Rücken des Lebens

    dich trennen von dir selbst und von anderen

    die Einsamkeit erstickt dich

    doch sind sie

    absolut vergänglich

    die verlogenen Erwartungen

     

    Wessen Blut für die Gefängnisse

    Wessen Seelen für Kriege

    Ein Übergriff auf die  Ehre

    von Ausbeutungen

    Auf Guerilla

    Dem  dienenden Knechte

    und Ausplünderungen

    doch bevor nicht 

    die Gefängnisse zusammenfallen

    die Hoffnungen einsperren

    können nicht die Ketten der Liebe

    brechen

    Steinmauer umringen

    die Flanken deines Lächelns

    wird die Erde nicht menschlicher

     

    Alle Häuser werden aus Sand

    alle Lüste eine Lüge...

     

     

    IV

     

    In der Erde der Samenkorn

    Das Wasser in der Nervatur

    der Rose

    Traurigkeit im Herzen

    und die Stunde des Seins nicht absehbar

    und bislang hast du nichts

    auf die Beine gestellt

    doch auf die zauberhaften Blicke

    webt eine Spinne ununterbrochen

    sein Netz

     

    Ducke dich nicht vor dem Tyrannen

    Dem Henker spucke ins Gesicht

    webe Licht in die Dunkelheit

    Aber frei bist du erst dann

    wenn deine Zellen

    eigenhändig errichtet

    zusammengefallen sind

    Denn was kann einer

    der die eigene Schalen

    nicht brechen kann 

    einem Anderen geben?

     

    Am Ende wird auch dein Leben enden

    Wie ein Blatt  vom Ast fallen

    Dann wird dein Leben

    Wie das Öffnen eines Briefumschlags

    von einem Liebesbrief sein

    So wirst du immer leben

     

    Adnan Durmaz

     

    Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan

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