
Foto: Adnan Durmaz
Mein kleiner trauriger Stern
keine Häuser haben wir gebaut aus Sand
keine Träume errichteten wir zusammen
und nicht weinen
sollten wir jetzt
weil wir es
nicht getan haben
bleib du nur immer dort...
in diesem zauberhaften Blau
so unendlich weit
so geheimnisvoll
hier in meiner öden Stille
im inneren so tief
lasse uns nur unsere Liebe
die Wellen sollen sie nicht wegspülen
und der Wind sie nicht wegwehen
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan
Der verrückten Rasse entstammte ich
die zu den Sternen redet
mein Lieben seit Tausenden von Jahren
wie eine Blume vom Abhang
bin gekommen um dich zu suchen
in den Straßen
auf der ganzen Welt
bin von all deinem Regen
nass geworden
an alle Schmerzen lehnte ich mich
für dich
die Augen flossen in Leid
weinten Kummer
mein einzig Wahres Ezo
meine einzige Glut
warst du
alle Gärten des Frühlings wüst
alle Winde dürr
und dein Feuer nicht zu löschen
mit keinem Wasser
und das Leben
ein armer Bettler ist es
wenn nicht deine Haare wehen
deine Füße betreten
die Wüste meiner Betrübnisse
und das Dasein
wie Einöde
umgeben nur von Kummer
mein Weinen nur noch Nazim
das Winseln mein Ezo,
das Winseln
bin ich
in Kämpfe ging ich
begab mich tödlich in Grausamkeiten
in Gewahrsam auf deinen Wegen
und auf allen Bergen im Feuer
wie Gazellen
sich dem Wasser nahten
wie Gazellen
verdurstet
so trug ich das Herzen zu dir
tausende von Blütenarten und Beete
ließ ich wachsen
an meiner Kluft
nur an deine Hoffnung hielt ich fest
wie an verbotene Bücher
wie an der Dissidenten Lieder
trug die Sehnsucht wie ein Brandmal
immer in deinen Abgrund
aber du warst nicht da
nicht da Ezo
Völker gingen mit dunkeln Schicksalen
von meiner aschgrauen Erde
eine Trauerode,
ein Klagelied hinterlassend
auf verbrannten Steinen
suchte ich nach Nachrichten
von dir
Kämpfe ausgelebt hab ich
und Feuer floss nur durch meine Adern
an den Galgen
an den Galgen brachte man mich Ezo
für alle Zeiten bin ich nun geknickt
klammerte mich fest an dich in Gräueltaten
gegen Seuchen
gegen Kargheit
in Hungersnot
das Gesicht von Morgendämmerungen
mit Blut gewaschen
sie kennen mich gut
niederschmetternd schlug ich
auf den Boden
als Verlierer lag ich dort
aber du
du warst nicht da Ezo
der verrückten Rasse entstammte ich
die zu den Vögeln redet
versteinert in allen Straßen dieser Erde
von allen Meeren ein vertriebener Korsar
ein Bandit auf allen Bergen
dem das Herz brennt
auf meinem Rücken
die ganze Geschichte von Niederlagen
wie Mecnun
wie Mecnun
wie Ferhad
suchte ich nach dir
du warst nicht da
warst nicht da Ezo
das Wasser hatte die Felsen
um das es wogte
Lieder komponierten sie
beim Umhüllen der Steine
die Winde flüsterten Liebe
in die Unendlichkeit
und berührten die Zweige grün
die Wüsten häuften Dünen wie Sicheln
Flussbetten brausten vor Liebe
zerteilten sich mehrmals in Mäandern
und mein Geschrei brannte vor Sehsucht
aber du warst nicht da Ezo
von allen Toten bin ich auferstanden
und weiß
die Zeit vor Christi
kann nicht neu geschrieben werden
und dass das Universum so dunkel ist
weil ich so blind bin ohne dich
welche Kluft von Herzen
hast du mit Liebe ertränkt
mit dir wurden beim Gehen
die Ozeane gefüllt
und die Wolken
wurden von dir hinterlassen
oder ist dein Schicksal
später geboren zu werden
Durch giftgrüne Täler ritt ich
mit babyblauen Pferden
in den Armen nur Schmerzen
die Sonne barst an meiner Stirn
am Abgrund deiner Einsamkeit
allen Kämpfen ausgesetzt
wurde ich umhüllt von Dämonen
Banditen schlugen sich in meinem Herzen
wie Feuer von Rebellionen
brannte Sehnsucht
und meine Geschichte
nur mit Blut gezeichnet
für alle Zeiten
für alle Zeiten
hatte man den Richterspruch für mich: schuldig
und du warst nicht da Ezo
ich kam auf diese Erde
um geprüft zu werden mit Feuer
mein Schicksal
ein liebender Salamander zu sein
die Grausamkeiten
die Fesseln
das Brennen
das alles sei Liebe
Liebe dachte ich
nur eine Hoffnung
sollst du sein Ezo
nur eine Hoffnung
viele
viele Tode
werde ich noch sterben
und auferstehen
immer wieder
zu dir
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan
28/11/2006 · Kategorie: Uber Mich

Über mein Leben
von Adnan Durmaz
Mein Leben
Warum sollte meine Lebensgeschichte wichtig sein? Welches Leben könnte man auch auf einer Seite erzählen? Global gesehen ist die Geschichte von jedem einzelnen etwas kleiner als ein Staubkörnchen, größer jedoch als eine Seite.
Der Mensch hat viele Fenster in seinem Herzen; die er öffnet, um es mit Licht zu füllen oder aber auch um nach außen Licht auszustrahlen. So wisse: wer ein Dichter ist, ist überall zuhause und doch nirgends wirklich zugehörig. Denn nur der Mensch ist seine Heimat! Ist nicht das Schreiben oder Malen alleine schon ein Abenteuer oder eine Entdeckung für sich?
Manchmal suchst du in den Ritzen von Steppen, wo du geboren wurdest mit Mühe und Not nach Schönheiten. Manchmal aber auch in den Meereswogen, in die du dich erst mit 30 Jahren verliebt hast.
Dann gibt es Tage, da wirst du zu einem Brunnen - egal wie trocken auch die Steppen sind. Wiederum gibt es Tage, wo du zu einem Leuchtturm auf einer unbewohnten Insel mit Moos wirst, den kein Schiff mehr begeht. Auch mal ein Wandervogel, der im unendlichen Horizont nicht seinen Platz findet.
Deine Einsamkeit - deine Freuden und deine Sehnsucht sind nicht erklärbar. Aber das Schöne: wenn sie nicht wirklich in Deinem Inneren existiert so wisse: dann lohnt sich auch das Suchen danach nicht!
Übersetzung aus dem Türkischen von Deniz Ercivan
Veröffentlichte Bücher:
Ateş Çiçeği, 2003 Epos (ART Yayınevi, Ankara)
Bilirsin Aşkta Serseri, 2003 Gedichte (ART Yayınevi,Ankara)
Ben Gidersem Ay Sen/deler, 2000 Gedichte
Yarın Yeniden, 1996 Gedichte (Gerçek Sanat Yayınları,İstanbul)
Fısıltılarla da Olsa Söyle, 1990 Gedichte (Saypa Yayınevi,Ankara)
Häuser aus Sand
Mit der Zeit
wird all das Gelebte aus Feuer
zu Staub aufwirbeln
deshalb
lasse die Schönheit deines Lächelns
bei mir;
wie Kaskaden soll sie fließen
in meinem Herzen,
wenn du lachst
Lasse deinen Kuss bei mir;
wie ein Erdbeben
soll er
mein Herz zerrütten
und deine Hände
scheu wie Spatzen
du hast sie
in meinen gelassen
Der Augenblick wird bluten
Der Augenblick,
Wenn die Zeit
ihre Spinnennetze webt
auf wundervolle Blicke
Lasse die Schönheit
deiner Wörter
bei mir
an deinen zitternden Lippen
soll sich das Leben öffnen
dein Blick
dein Feuer
nicht erklärbar
deinen Regnen in Strömen
lasse auf das Durcheinander
Lasse das Brandmal bei mir,
das deine zarte Seele
auf meinen Händen ließ
lasse sie
an meinen Fingerspitzen
Und doch
wenn sich deine Augen
schlossen,
bei jedem Schlag deiner Wimpern
habe ich begriffen:
ein Leben
ohne Leidenschaft
wird weniger
als eine Handvoll
Wie ein totes Firmament
ist die Zeit
Alle Häuser aus Sand
Die ganze Liebeslust eine Lüge...
II
Nach einem Verlust begreift der Mensch
erst was er verloren hat
Das Lächeln aus jenen Momenten wird
bluten und nie wieder zurückkehren
Wo bleibt denn der Schauder von damals
Auf die bezaubernden Blicke
webt eine Spinne unentwegt
sein Netz
Jungrauen gab es…
ihre Winde
wie sanft wehendes Lüftchen
wie strömender Regen
war ihr Gang
abtastend an der Zeit
dem Tod durchreißend
gingen sie
dabei berührten ihre Brüste
die Liebe
nun sind die Proviantsäcke leer
wo wurden sie aufgebraucht
diese tollkühnen Erschütterungen
das Lächeln von damals
und die Vögeln die
der Nacht einen Sternenhimmel
regneten
wo sind sie jetzt?
Wie Rosen vom Hagel erschlagen
wirken sie nun
Große Grabmähler
die Bordsteine für Henker
Ohne Vergebung
aber dennoch rissen sie
Sie aus dem Herzen
Nach einem Verlust weiß man,
was man verloren hat
dein Leben
ist wie ein tollkühner Regen
Eine Lüge
sind alle Monarchien
Vergänglich alle Reichtümer
Schlösser
nur das Empfundene
im Herzen
wirst du vom Leben behalten.
Aus Sand sind alle Häuser
und die Liebeslust eine Lüge
III
vergänglich ist die Lust
doch halten sie das Herz hin
breiten sich an den Grenzen
eines hohlen Lebens aus
und wachsen
vom Unerreichbaren
und was nähren sie?
Im großen Unglücksgarten des Menschen
nimmt jede Liebe
am Gewebe des Lebens
anders teil
Kein Horizont von Abenden
wird je zurückkehren
Wahr ist;
ein menschliches Lied singend
sich mit dem Mondaufgang zu vereinen
die Lüste sind am Klappern
das letzte Kapitell
im Leben gibt es nicht
zu spät ist die Zeit
aber..
wenn das Herz
in Adern eines dankbaren Flusses strömt
wenn Sultane sterben
Monarchien fort sind
hohle Vergnügungen- prunkvolle Schlösser
und sogar das Nichts
zur Staube verflogen ist
dann merkt es;
Aus Sand sind alle Häuser
Die ganze Liebeslust eine Lüge
Die Lüste sind wie Satteln bespannt
am Rücken des Lebens
dich trennen von dir selbst und von anderen
die Einsamkeit erstickt dich
doch sind sie
absolut vergänglich
die verlogenen Erwartungen
Wessen Blut für die Gefängnisse
Wessen Seelen für Kriege
Ein Übergriff auf die Ehre
von Ausbeutungen
Auf Guerilla
Dem dienenden Knechte
und Ausplünderungen
doch bevor nicht
die Gefängnisse zusammenfallen
die Hoffnungen einsperren
können nicht die Ketten der Liebe
brechen
Steinmauer umringen
die Flanken deines Lächelns
wird die Erde nicht menschlicher
Alle Häuser werden aus Sand
alle Lüste eine Lüge...
IV
In der Erde der Samenkorn
Das Wasser in der Nervatur
der Rose
Traurigkeit im Herzen
und die Stunde des Seins nicht absehbar
und bislang hast du nichts
auf die Beine gestellt
doch auf die zauberhaften Blicke
webt eine Spinne ununterbrochen
sein Netz
Ducke dich nicht vor dem Tyrannen
Dem Henker spucke ins Gesicht
webe Licht in die Dunkelheit
Aber frei bist du erst dann
wenn deine Zellen
eigenhändig errichtet
zusammengefallen sind
Denn was kann einer
der die eigene Schalen
nicht brechen kann
einem Anderen geben?
Am Ende wird auch dein Leben enden
Wie ein Blatt vom Ast fallen
Dann wird dein Leben
Wie das Öffnen eines Briefumschlags
von einem Liebesbrief sein
So wirst du immer leben
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan